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Mehr Leitung bedeutet noch keine bessere Entscheidungsfähigkeit

Warum Theater neue Formen institutioneller Handlungsfähigkeit brauchen – von Mirjam Hildbrand und Alexander Keil

Die Debatte über Leitungsmodelle im Theater – ob Einzelspitze, Doppelspitze, kollektive Leitung oder Selbstorganisation – greift zu kurz, weil jedes Modell ein Problem löst und zugleich neue Folgeprobleme erzeugt, ohne Hierarchie oder Macht tatsächlich abzuschaffen. Entscheidend ist daher nicht die Frage nach dem „richtigen“ Modell oder der Anzahl der Leitenden, sondern welche Entscheidungsfähigkeit eine Kulturinstitution braucht, um mit vielfältigen, teils widersprüchlichen Anforderungen (künstlerisch, wirtschaftlich, sozial, politisch) handlungsfähig zu bleiben. Angesichts wachsenden gesellschaftlichen und finanziellen Drucks liegt die Zukunft der Theaterleitung nicht im perfekten Modell, sondern in bewusst gestalteten Strukturen, die Macht, Verantwortung und Widersprüche sichtbar, bearbeitbar und legitimiert halten.