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Mehr Leitung bedeutet noch keine bessere Entscheidungsfähigkeit. Warum Theater neue Formen institutioneller Handlungsfähigkeit brauchen

Ein Beitrag von Mirjam Hildbrand und Alexander Keil

Theater stehen heute vor der Herausforderung, künstlerische Freiheit zu ermöglichen, gesellschaftlichen Erwartungen zu spiegeln und zugleich für organisationale Stabilität zu sorgen. Diese grundlegenden Spannungen löst man nicht allein durch die Einführung eines neuen Leitungsmodells. Der Beitrag fragt, welche Formen institutioneller Handlungsfähigkeit Theater brauchen, um unter veränderten Bedingungen entscheidungs- und zukunftsfähig zu bleiben.

Mehr Leitung bedeutet noch keine bessere Entscheidungsfähigkeit

Warum Theater neue Formen institutioneller Handlungsfähigkeit brauchen – von Mirjam Hildbrand und Alexander Keil

Die Debatte über Leitungsmodelle im Theater – ob Einzelspitze, Doppelspitze, kollektive Leitung oder Selbstorganisation – greift zu kurz, weil jedes Modell ein Problem löst und zugleich neue Folgeprobleme erzeugt, ohne Hierarchie oder Macht tatsächlich abzuschaffen. Entscheidend ist daher nicht die Frage nach dem „richtigen“ Modell oder der Anzahl der Leitenden, sondern welche Entscheidungsfähigkeit eine Kulturinstitution braucht, um mit vielfältigen, teils widersprüchlichen Anforderungen (künstlerisch, wirtschaftlich, sozial, politisch) handlungsfähig zu bleiben. Angesichts wachsenden gesellschaftlichen und finanziellen Drucks liegt die Zukunft der Theaterleitung nicht im perfekten Modell, sondern in bewusst gestalteten Strukturen, die Macht, Verantwortung und Widersprüche sichtbar, bearbeitbar und legitimiert halten.

Grenzen der interbehördlichen Zusammenarbeit

von Phanmika-Sua-Ngam-Iam

Die soziale Sicherung und damit einhergehend der Wechsel der rechtlichen Zuständigkeit für Geflüchtete aus der Ukraine vom Sozialamt zum Jobcenter stellt für die öffentliche Verwaltung eine administrative Herausforderung dar. In diesem Beitrag wird untersucht, wie die beteiligten Organisationen der öffentlichen Verwaltung diesen gesetzlichen Auftrag umsetzen.

Phanmika Sua-Ngam-Iam
Grenzen der interbehördlichen Zusammenarbeit

Basierend auf einer empirischen Analyse der Kooperation insbesondere zwischen dem Jobcenter und den Sozialämtern zeigt der Beitrag, wie der Rechtskreis-wechsel als mehrdimensional belastetes Problem – bedingt durch hohe Fallzahlen, zeitlichen Druck und unklare Rechtslage – mithilfe von Techniken der Grenzziehung und-erweiterung bewältigt wird. Aus systemtheoretischer Perspektive wird analysiert, wie unterschiedliche organisationale Bedingungen zu divergierenden Fallkonstruk-tionen und damit einhergehend zu unterschiedlichen Fallbearbeitungen führen: In den zweckprogrammierten Asylstellen werden Fälle ganzheitlich und kontinuierlich betreut, während sich die Fallbearbeitung im konditionalprogrammierten Jobcenter auf leistungsrechtliche Aspekte beschränkt und episodisch erfolgt. Die Untersuchung zeigt, dass insbesondere die Verlagerung von Problemlösungen in das Zwischensystem zwischen den Behörden die Umsetzung des Rechtskreiswechsels ermöglicht.

Die soziale Sicherung und damit einhergehend der Wechsel der rechtlichen Zuständigkeit (Rechtskreiswechsel) für Geflüchtete aus der Ukraine vom Sozialamt (Asylbewerberleistungsgesetz) zum Jobcenter (SGB II) stellt für die öffentliche Verwaltung eine administrative Herausforderung dar. In diesem Beitrag wird untersucht, wie die beteiligten Organisationen der öffentlichen Verwaltung diesen gesetzlichen Auftrag umsetzen. Basierend auf einer empirischen Analyse der Kooperation insbesondere zwischen dem Jobcenter und den Sozialämtern zeigt der Beitrag, wie der Rechtskreis-wechsel als mehrdimensional belastetes Problem – bedingt durch hohe Fallzahlen, zeitlichen Druck und unklare Rechtslage – mithilfe von Techniken der Grenzziehung und-erweiterung bewältigt wird. Aus systemtheoretischer Perspektive wird analysiert, wie unterschiedliche organisationale Bedingungen zu divergierenden Fallkonstruk-tionen und damit einhergehend zu unterschiedlichen Fallbearbeitungen führen: In den zweckprogrammierten Asylstellen werden Fälle ganzheitlich und kontinuierlich betreut, während sich die Fallbearbeitung im konditionalprogrammierten Jobcenter auf leistungsrechtliche Aspekte beschränkt und episodisch erfolgt. Die Untersuchung zeigt, dass insbesondere die Verlagerung von Problemlösungen in das Zwischensystem zwischen den Behörden die Umsetzung des Rechtskreiswechsels ermöglicht.

Bürokratopia. Wie Verwaltung die Demokratie retten kann

von Julia Borggräfe

Bürokratie gilt vielen als Synonym für Komplexität, Langsamkeit und Reformstau. Bürokratopia zeigt eine andere Perspektive: Bürokratie ist kein Selbstzweck, sondern das Betriebssystem unseres demokratischen Staates – und damit gestaltbar.

Bürokratopia

Julia Borggräfe beschreibt, warum eine leistungsfähige Verwaltung gerade in Zeiten von Digitalisierung, Fachkräftemangel, Klimawandel und gesellschaftlicher Transformation unverzichtbar ist. Sie zeigt, weshalb viele Reformen dennoch nicht die gewünschte Wirkung entfalten: Solange Verwaltung nicht konsequent von den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger aus gedacht wird und politische sowie administrative Handlungslogiken unverbunden nebeneinanderstehen, bleiben Veränderungen oft Stückwerk. Bürokratopia zeigt, wie dieser Knoten gelöst werden kann.

Das Buch verbindet eine fundierte Analyse der Herausforderungen mit einer klaren Zukunftsvision und vor allem mit konkreten Ansätzen für die Praxis. Es zeigt, wie Verwaltung nutzerzentrierter, wirksamer und innovativer werden kann – durch moderne Führung, neue Formen der Zusammenarbeit, konsequente Digitalisierung, eine attraktive Arbeitskultur und einer stärkere Orientierung an Wirkung. Dabei wird deutlich: Technologische Lösungen allein reichen nicht aus. Erst das Zusammenspiel von Menschen, Organisation und Kultur schafft die Voraussetzungen für nachhaltige Veränderung.

Bürokratopia richtet sich an alle, die Verwaltung nicht nur kritisieren, sondern als Fundament einer starken Demokratie verstehen – und erkennen, dass eine wirksame, zukunftsfähige und konsequent an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger ausgerichtete Verwaltung dafür unverzichtbar ist. Denn hinter dem vermeintlich trockenen Thema Bürokratie verbirgt sich eine der spannendsten Zukunftsfragen unserer Zeit: Wie bleibt unser demokratischer Staat handlungsfähig? Eine Frage, die uns alle betrifft. Bürokratopia liefert dafür keine Patentrezepte, sondern einen praxisnahen Kompass mit konkreten Impulsen für alle, die Verwaltung wirksam, bürgerorientiert und zukunftsfähig gestalten wollen.

Intendant:in sein ist schwer, als Co-Leitung zu arbeiten noch viel mehr. Über die Erwartungen und Folgeprobleme von Co-Leitungsmodellen an Theatern

von Alexander Keil

Wie gelingt Wandel im Kulturbereich – und welche Rolle spielt der gemeinsame Diskurs dabei? Diesen Fragen widmete sich das 1. Kulturgespräch Stadt Luzern, das am Dienstag, 17. März 2026, um 18.15 bis 20 Uhr im stattkino und der Bourbaki Bar stattfand.

Zum Ausgabe des Kultur Management Network Magazins.

Intendant*in sein ist schwer, als Co-Leitung zu arbeiten noch viel mehr

„Die Leitung kann auch als Co-Leitung besetzt werden.“
So oder so ähnlich sehen viele Stellenausschreibungen künstlerischer Leitungen und Intendanzen von Theatern und Schauspielhäusern im deutschsprachigen Raum zurzeit aus. Besonders schweizerische Häuser
scheinen den Trend mit Begeisterung aufzunehmen: Das Schauspielhaus Zürich, das Theater Neumarkt, das Theaterhaus Gessnerallee, das Theater Basel besetzten alle die künstlerische Intendanz oder Spartenleitungen in Co-Leadership-Modellen. Auch in Deutschland sieht man mehr Varianten davon aufkommen: Das Theaterhaus Jena arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich mit diesem Modell, für das Theater junge Generation wurde gerade  frisch eine neue Co-Leitung gewählt, und sofern die Pläne umgesetzt werden, rückt das Theater Erfurt 2027 nach: Das Erfurter Kulturdezernat will  die bisher allein geführte Stelle auf ein siebenköpfiges Team aufteilen.

Von außen kann man den Aufwind rund um dieses noch relativ neue Rollenmodell aus angenehmer Distanz beobachten und gleichzeitig die Frage stellen: Was verspricht man sich davon? Wie kommt es, dass das Theater seine
Führungsstrukturen neu aufsetzt? Um es noch leicht systemtheoretisch gedreht auf den Punkt zu bringen: Was sind die Probleme, für die Co-Leadership-Modelle im Theater eine Lösung sein sollen? Und inwiefern können diese Modelle den an sie gerichteten Erwartungen gerecht werden?

Was Kulturmanager:innen heute leisten müss(t)en

von Alexander Keil und Eva Heller

Kulturmanager:innen sind heute mit einer Menge drängender Fragen  konfrontiert, die verschiedene Ebenen von Kulturorganisationen herausfordern und kluger, differenzierter sowie kreativer Antworten bedürfen:  Wie gestaltet man ein Programm für möglichst alle Teile der Stadtgesellschaft? Wer gestaltet mit? Wie gelingt es, künstlerisch anspruchsvolle  Arbeiten in ihrer Komplexität zu vermitteln?

Zum Ausgabe des Kultur Management Network Magazins.

Was Kulturmanager:innen
heute leisten müss(t)en

Kulturmanager:innen lösen heute Probleme auf sehr  vielen verschiedenen Ebenen Kulturmanager:innen sind heute mit einer Menge drängender Fragen  konfrontiert, die verschiedene Ebenen von Kulturorganisationen herausfordern und kluger, differenzierter sowie kreativer Antworten bedürfen:  Wie gestaltet man ein Programm für möglichst alle Teile der Stadtgesellschaft? Wer gestaltet mit? Wie gelingt es, künstlerisch anspruchsvolle  Arbeiten in ihrer Komplexität zu vermitteln? Wie sorgt man innerhalb der Mitarbeitendenschaft und im Publikum für Teilhabe? Wie gestaltet sich
eine sozial und ökologisch nachhaltige Kulturorganisation? Und wie veränderungsfähig ist die Kulturorganisation gegenüber den Umbrüchen in den ihr verbundenen Märkten?

Vergiss es! Wenn Kulturinstitutionen Resilienz erwerben wollen, müssen sie zuerst einmal lernen, zu vergessen

Im allgemeinen Sinne bedeutet Resilienz die Fähigkeit, schwierige Situationen
dauerhaft zu überstehen und krisenfest zu sein. Für Kulturinstitutionen
hat Resilienz viele Schichten, die es Stück für Stück zu bearbeiten gilt:
Resiliente Kulturinstitutionen entwickeln die notwendigen Fähigkeiten,
ihr Verhältnis zur Umwelt zu gestalten anstatt einfach nur zu re-agieren.

Vergiss es!

Wenn Kulturinstitutionen Resilienz erwerben wollen, müssen sie zuerst einmal lernen, zu vergessen

Im allgemeinen Sinne bedeutet Resilienz die Fähigkeit, schwierige Situationen
dauerhaft zu überstehen und krisenfest zu sein. Für Kulturinstitutionen
hat Resilienz viele Schichten, die es Stück für Stück zu bearbeiten gilt:
Resiliente Kulturinstitutionen entwickeln die notwendigen Fähigkeiten,
ihr Verhältnis zur Umwelt zu gestalten anstatt einfach nur zu re-agieren.
Das bedeutet, Umweltveränderungen laufend zu beobachten und mit
Blick auf das Verhältnis von Zweck und Mittel kritisch zu reflektieren.
Dies setzt voraus, dass man der Organisation und ihren Mitgliedern selbst
Ressourcen (z.B. die hierfür notwendige Zeit, Finanzen und Wissen) sowie
Entwicklungsmöglichkeiten (z.B. in Form von geistigen Freiräumen) zu
diesen Themen zugesteht.

Zur Ausgabe des Kultur Management Network Magazins.

Veränderung braucht Spannungen!

von Alexander Keil und Finn-Rasmus Bull

Organisationsgestalter:innen und Führungskräfte sollten Spannungen nicht vermeiden, sondern gezielt in einen konstruktiven Diskurs überführen. Auf diese Weise stellen sie sicher, dass unterschiedliche Rationalitäten als solche erkannt und in geeigneten Arenen verhandelt werden. Dazu gehört auch, Räume zu schaffen, die gerade in konfliktreichen Situationen vorschnelle Personalisierungen verhindern.

Veränderung braucht Spannungen!

von Alexander Keil und Finn-Rasmus Bull

Organisationsgestalter:innen und Führungskräfte sollten Spannungen nicht vermeiden, sondern gezielt in einen konstruktiven Diskurs überführen. Auf diese Weise stellen sie sicher, dass unterschiedliche Rationalitäten als solche erkannt und in geeigneten Arenen verhandelt werden. Dazu gehört auch, Räume zu schaffen, die gerade in konfliktreichen Situationen vorschnelle Personalisierungen verhindern.

Zum Artikel beim changement-Magazin.

Zwischen Autonomie und Steuerung – Wie strukturelle Innovation an Hochschulen gelingt

von Julia Borggräfe und Alexander Keil

Hochschulen stehen vor tiefgreifenden Veränderungen: von finanziellen Restriktionen bis zu neuen Lernformen und der zunehmenden Verfügbarkeit von KI, die bestehende Praktiken irritiert, ohne dass sich bereits belastbare organisationale Antworten herausgebildet haben. Der Beitrag zeigt, warum nachhaltiger Wandel nur gelingt, wenn Hochschulen ihre organisationale Eigenlogik ernst nehmen und Informalität, Tausch, Partizipation sowie verbindliche Entscheidungsverfahren zusammen denken.

Zwischen Autonomie und Steuerung – Wie strukturelle Innovation an Hochschulen gelingt

Hochschulen stehen vor tiefgreifenden Veränderungen: von finanziellen Restriktionen bis zu neuen Lernformen und der zunehmenden Verfügbarkeit von KI, die bestehende Praktiken irritiert, ohne dass sich bereits belastbare organisationale Antworten herausgebildet haben. Strukturelle Innovationen greifen dabei in Entscheidungswege, Kooperationsformen, Prozesse und Rollen ein und treffen auf die besondere Logik akademischer Selbstverwaltung. Der Beitrag zeigt, warum nachhaltiger Wandel nur gelingt, wenn Hochschulen ihre organisationale Eigenlogik ernstnehmen und Informalität, Tausch, Partizipation sowie verbindliche Entscheidungsverfahren zusammen denken.

Hier geht es zum Artikel in der ZOE.